Aktuelles – 9. April 2026

Digitaler Produktpass (DPP): Ohne strukturierte, vergleichbare und digital nutzbare Daten geht bald nichts mehr

Digitaler Produktpass zwingt zum radikalen Umdenken – auch das Handwerk. Wer künftig Produkte verkauft, muss auch ihre Daten liefern – und zwar von Anfang an. Wie sich Handwerkschefs heute schon für 2027 und die Folgejahre, wenn der digitale Produktpass nach Vorgaben der EU-Ökodesign-Verordnung Schritt für Schritt in Kraft tritt, vorbereiten können.

Es beginnt wie immer: ein Gespräch, ein Raum, eine Idee. Der Kunde beschreibt, was er sich vorstellt, der Handwerker skizziert, kalkuliert grob, denkt in Materialien, Maßen, Erfahrung. Ein Prozess, der seit Generationen funktioniert. Doch genau dieser Moment, der Kern handwerklicher Arbeit, steht vor einer grundlegenden Veränderung. Denn künftig reicht die Skizze nicht mehr – sie muss von Anfang an von Daten begleitet werden: Ein digitaler Produktpass, genauer der Digitale Produktpass, kurz DPP, steht vor der Tür. Und mit ihm eine neue Realität, die tief in die Werkstätten hineinwirkt.

„Der Digitale Produktpass kommt nicht für Branchen, sondern für Produkte“, sagt Thomas Rödding, CEO der DPP-Agentur Narravero, und macht gleich klar, warum sich viele Betriebe noch in falscher Sicherheit wiegen. „Wer Produkte unter eigenem Namen in Verkehr bringt, rutscht in die Hersteller- und damit in die Pflichtlogik.“ Damit wird aus dem klassischen Handwerksbetrieb, der fertigt und montiert, plötzlich ein Akteur im regulatorischen System der EU – mit allen Konsequenzen, die bislang eher Industrieunternehmen kannten.

Produktspezifische EU-Vorgaben fehlen noch

Was politisch lange abstrakt und weit genug weg klang, bekommt inzwischen konkrete Konturen. Die EU setzt mit der Ökodesign-Verordnung von 2024 den Rahmen, die eigentliche Dynamik entsteht aber durch die für das Handwerk noch ausstehenden sogenannten delegierten Rechtsakte, die einzelne Produktgruppen verpflichtend erfassen.

Der Fahrplan steht aber bereits: Los geht’s 2027 mit Batterien, dann folgen im Laufe der Jahre Möbel, Bauprodukte und Metallkomponente. Aber auch wenn die exakten Vorgaben für den DPP noch fehlen – für Textilien und Schuhe werden sie für Mitte 2027 erwartet – , müssen Vorarbeiten aus Zeitgründen bereits angegangen werden: „Handwerksbetriebe sollten jetzt beginnen, ihre Lieferantenbeziehungen und Datenprozesse vorzubereiten – Datenmanagement wird zur zentralen Aufgabe“, empfiehlt Rödding dringend.

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