Aktuelles – 23. November 2023

Energetische Potenziale von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung

Im Fokus der Vormittagsveranstaltung: energetische Potenziale von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Die Veranstaltung wurden von einem breiten Bündnis unterstützt, u. a. von den Spitzenverbänden der Geräteindustrie, der Wohnungswirtschaft und der Elektro- bzw. SHK-Handwerke, und zum dritten Mal gemeinsam mit dem UBA veranstaltet.

Nach Begrüßung der Teilnehmenden durch Anja Daniels (UBA) und Lutz Schulte (HEA) ordnete Nina Neumann (Generaldirektion Energie der EU-Kommission) die Bedeutung der Novelle der Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie für die technische Gebäudeausrüstung und die Innenraumluftqualität in Gebäuden ein. Dabei gab Neumann Einblicke in die aktuellen Entwürfe und unterstrich die hohe Bedeutung der Energieeffizienz und Wohngesundheit.

Innenraumluftqualität und Wärmerückgewinnung

Mit der Vorstellung von Feldtestergebnissen der Innenraumluftqualität in Wohnräumen gab Anja Daniels (UBA) einen tieferen Einblick in die Bedeutung des Luftwechsels für die Wohngesundheit. Welche Stoffe befinden sich in der Innenraumluft? Wie werden Gefahrenstoffe beurteilt und gewichtet? Antworten auf diese und weitere Fragen gaben insbesondere Energieberatern und Fachplanern Impulse für die Beratungspraxis.

Prof. Thomas Hartmann (Geschäftsführer ITG Dresden) schlug im Anschluss die Brücke von der Innenraumluftqualität zu den energetischen Potenzialen der Wärmerückgewinnung. Dabei ging Hartmann insbesondere auf die Rolle der Wärmerückgewinnung für die Erreichung der Klimaziele im Gebäudebestand ein. Unter der Annahme, dass 45 Prozent der Bestandsgebäude bis 2045 mit dieser Technologie ausgestattet sind, wies Hartmann eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um neun bis elf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Die Studie im Auftrag des VfW kann HIER abgerufen werden.

Was es zur Hebung dieser Potenziale in der Praxis zu beachten gilt, ordnete Prof. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin sowie Vorstandsvorsitzender der Gesundheitstechnischen Gesellschaft, für die Teilnehmenden ein. Nach einer Einführung in die relevanten Einflussparameter ging Kriegel detailliert auf die betrachteten Nutzungsfälle eines Wohnraums, eines Klassenzimmers und eines Büroraums ein. Dabei unterstrich er die Bedeutung interner Wär-megewinne im Raum sowie die Wichtigkeit einer fallbezogenen Analyse insbeson-dere hinsichtlich der Nutzungszeiten und Raumbelegungsdichte. In der anschlie-ßenden Fragerunde gab er den Teilnehmenden Tipps für die Regelung von Lüftungsanlagen in der Übergangszeit.

Aktuelles Marktumfeld der Wohnraumlüftung

Der zweite Veranstaltungsteil beleuchtete die aktuellen Entwicklungen im Marktumfeld der Wohnraumlüftung. Tobias Langer (mfh systems GmbH) und Lutz Schulte (HEA) stellten den Marktpartnern der Wohnungslüftung einführend den aktuellen Arbeitsstand eines Online-Tools „Wärmerückgewinnung“ vor. Gemeinsam von HEA und VdZ in der Entwicklung, soll es zukünftig Bauherren und Sanierern eine Hilfestellung bzgl. des energetischen Verhaltens von Lüftungsanlagen im individuellen Gebäude geben. Der komplexe Rechenkern erhebt dabei keinen Anspruch auf eine Vollkostenrechnung, sondern soll Aspekte der Energieeffizienz und Wirtschaftlich in der Betriebsphase einordnen. Tobias Langer, bei der mfh systems GmbH als Senior Key Account Manager Ventilation tätig, führte in einer „sneak preview“ live durch das zukünftige Tool und erläuterte den Mehrwert für Endkundenberatung und Planung.

Mit dem anschließenden Impulsvortrag „Best practice: Förderung von Lüftungslösungen in der Bundesförderung für effiziente Gebäude“ gaben Laura Drake und Thomas Langer (BAFA) Praxistipps für eine erfolgreiche Förderantragsstellung im Teilprogramm „Einzelmaßnahmen“. Nach der Einordnung der Förderlandschaft in die Klimaschutzziele informierten die BAFA-Vertreter über Aufkommen und Verwendungszweck der seit 2021 gestellten Förderanträge. Im Vertiefungsteil „Förderung raumluft- und klimatechnischer Anlagen“ folgten u. a. Hinweise zur begleitenden Fachplanung und Baubegleitung, die bei jedem Vorhaben mitgedacht werden sollten, da sie nicht separat förderfähig ist. Abschließend gaben die BAFA-Referenten einen Ausblick auf die Bundesförderung Einzelmaßnahmen ab Januar 2024 und stellten sich den Marktpartnerfragen.

Wie technische Parameter – ausschlaggebend auch für die Förderfähigkeit – von Lüftungslösungen auf dem Prüfstand erhoben werden können, berichteten Bern-hard Bewer und Patrick Wernsmann vom Europäischen Testzentrum für Woh-nungslüftungsgeräte. Der Blick „hinter die Kulissen“ umfasste die Vorstellung der Prüfschritte und -abläufe in der Testpraxis und ordnete die wichtigsten Normen und Gesetze für einen erfolgreichen Markteintritt ein. Prüfstandsergebnisse unterschied-lichster Systemlösungen wurden ebenso beleuchtet wie die wichtigsten Eigen-schaften von Einzelkomponenten.

Die Podiumsdiskussion „Von GEG bis BEG – Welche Rolle spielt die Lüftungstechnik zukünftig in der technischen Gebäudeausrüstung?“ mit Vertretern aus Industrie und Spitzenverbänden stellte die bisherigen Erkenntnisse und Einordnungen der Veranstaltung auf einen weiteren „Prüfstand“. Dr. Ingrid Vogler (GdW, Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen) unterstrich die notwendige Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit von Lüftungsanlagen für einen breiten Markterfolg. Gerätepreise müssten attraktiver werden, zudem sollte falschem Nutzerverhalten, z. B. durch Fensterkontakte, vorgebeugt werden. Ralf Lottes (VfW, Bundesverband für Wohnungslüftung) unterstrich die Bedeutung der Wohngesundheit im Zuge immer dichterer Gebäude. Aus seiner Sicht sollte der Einsatz von Lüftungslösungen in Ordnungs- und Förderrecht klarer angereizt werden, da-bei verwies er auf die laufende Novellierung der BEG Einzelmaßnahmen.

Barbara Kaiser, BDH Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie, verwies auf das Wachstum im Marktsegment der Lüftungstechnik, sah mit Blick auf den Ausstattungsgrad im Gebäudesektor jedoch noch großes Marktpotenzial. Als Markt-treiber ordnete Kaiser eine adressatengerechte Endkundenkommunikation genauso wie eine verlässliche Förderlandschaft ein. Im aktuell laufenden Novellierungs-prozess der Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie (EPBD) sah Kaiser eine Chance, durch Anforderungen an die Innenraumluftqualität von Gebäuden Wohngesundheit und Energieeffizienz in die Breite des europäischen Gebäudesektors zu tragen.

Uwe Schumann (pluggit GmbH) startete mit einem Überblick, was sich im Ord-nungs- und Förderrecht ab Januar 2024 konkret in der Planungspraxis ändert wird. Dabei identifizierte Schumann unterschiedliche Standardwerte in softwarebasierten Planungstools sowie zu komplexe und praxisferne Regelungen im Ordnungsrecht als unnötige Marktbarrieren. Schumann verwies auf die wachsende Bedeutung der Wohngesundheit und der Luftqualität, die auch bei wirtschaftlichen Abwägungen immer mitgedacht werden sollte.

Die Vorträge stehen unter https://www.hea.de/veranstaltungen/download/12-forum-wohnungslueftung zum Download bereit. Zugangsdaten auf Anfrage an Birgit Leitner, leitner@hea.de.

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