Rechenzentren-Boom stellt Kommunen im Norden vor Herausforderungen
Deutschland will digital souveräner werden. Dafür sollen viele neue Rechenzentren entstehen - auch in Norddeutschland. Städte und Gemeinden sind plötzlich mit globalen Konzernen konfrontiert und oft auf sich allein gestellt.
Die Gemeinde Schuby in Schleswig-Holstein ist in den Fokus internationaler Investoren gerückt. Mehrere Interessenten hat die ehrenamtliche Bürgermeisterin Petra Schulze schon durch ihr Dorf geführt. Die Kommune mit knapp 2.700 Einwohnern ist umgeben von Feldern und liegt zwischen Kiel und Flensburg. Es gibt das Vereinsheim der "Schleswiger Husaren", einen Männergesangsverein, ein Blasorchester, eine freiwillige Feuerwehr und einen großen Netzanschluss mit Umspannwerk.
Entstehen könnte hier ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von mehreren Hundert Megawatt. "Goldgräberstimmung" nennt Schulze das, was sie nun seit knapp zwei Jahren erlebt.
Knapp 100 Rechenzentren sind geplant
Recherchen des Norddeutschen Rundfunk und der "Süddeutschen Zeitung" zeigen erstmals, wie viele Rechenzentren aktuell in Deutschland geplant oder bereits im Bau sind. Der Recherche liegt ein Datensatz der NGOs "FragDenStaat", "AlgorithmWatch", "Leitmotiv" und "Heiße-Luft-Kollektiv" zugrunde, den NDR und SZ überprüft und ergänzt haben.
Die Daten zeigen 99 Rechenzentren, die künftig in Deutschland entstehen sollen - 13 davon in Norddeutschland. Gut ein Drittel der neuen Projekte wird von Unternehmen geplant oder gebaut, die nicht aus der Europäischen Union stammen. US-Tech-Konzerne bilden die größte Gruppe unter ihnen. Und: Ein Viertel der Projekte ist in Regionen geplant, die seit 2019 mit Wasserknappheit konfrontiert sind, zum Teil schwer.
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